Haftpflichtschaden

Die Versicherung des Unfallgegners hat grundsätzlich kein Weisungsrecht.

Nur der Geschädigte entscheidet, ob, wie und wo er den Schaden beseitigen lässt.

Das, was ein verständiger Geschädigter in der Schadensituation für erforderlich halten durfte,

ist ersatzpflichtig.

Nur wenn der Geschädigte die Möglichkeit hat, den Schaden ohne Nachteil für ihn selbst gering

zu halten, muss er sie ergreifen. (Schadenminderungspflicht)

Aber auch hier geht es um die Erkennbarkeit des Geschädigten.

 

Der Geschädigte muss die Versicherung nicht fragen.

Das Schadenrecht verneint mit Vehemenz eine Pflicht des Unfallopfers, Unterstützung

durch die gegnerische Versicherung einzufordern. Das Schadenrecht geht davon aus,

dass die Versicherung, die den Schädiger repräsentiert, nicht der richtige Ratgeber ist.

Außerdem hat die Versicherung ein überlegenes Wissen, mit dem sie den Geschädigten

leiten kann. Darauf muss sich niemand einlassen.

 

Hilfe vom Sachverständigen und Verkehrsrechtsanwalt.

Gerade deshalb gibt das Schadenrecht dem Geschädigten die Möglichkeit, sein

unterlegenes Wissen dem der Versicherung anzugleichen. Er hat das Recht, die

Dienste eines Sachverständigen und die eines Rechtsanwaltes in Anspruch zu nehmen.

Die Kosten dafür hat die Versicherung zu tragen.

 

Die Tücken des Zentralrufs der Autoversicherer, gedacht als Service,

genutzt zur Einflussnahme.

Führer war der Zentralruf so organisiert, dass er den Interessen des Geschädigten diente.

Man nannte Halter und Kennzeichen, später rief man noch einmal an und bekam die

Information zum Versicherungsverhältnis.

Heute wird man zur Versicherung durchgestellt. Dargestellt wird das als schnelle Hilfe.

Tatsächlich ist dies aber eine schnelle Möglichkeit der Einflussnahme.

Auf keine der Fragen, die der Telefonpartner stellt, muss man antworten.

Man kann darauf bestehen, nur die Versicherung genannt zu bekommen.

Quelle: Verband der unabhängigen Kfz-Sachverständigen e.V. (VKS)

 

Gutachten sind auch schon bei Bagatellschäden gerechtfertigt.

In einem Beispielfall lagen die im Gutachten prognostizierten Reparaturkosten bei 1.144 € und

vom Sachverständigen wurde zusätzlich auch eine Wertminderung festgestellt.

Hier hat der Versicherer im Nachhinein behauptet, das Gutachten sei nicht erforderlich

gewesen und der Versicherer bekam nicht Recht!

(Urteil AG-Neu-Ulm vom 15.2.2011,Az: 2C1117/10)

Die Rechtsprechung hält eisern am Recht des Geschädigten auf Einholung eines

Schadengutachtens fest.

Zu erinnern ist daran, dass der BHG auch einen sehr niedrigen Schaden

(Beschädigung in Höhe von 715 €) für die Erforderlichkeit eines Gutachtens ausreichen ließ.

(BGH-Urteil vom 30.11.2004,Az: VIZR 365/03)

Zum anderen zeigt das Urteil in dem obigen Beispielfall sehr schön, dass auch bei niedrigen

Schäden eine Wertminderung hier in Höhe von 150 € - eintreten kann.

Denn wenn kein Gutachten vorliegt, erhält der Geschädigte auch keine Wertminderung!

Auch bei einem acht Jahre alten Auto mit etwa 106.000 km Laufleistung kann eine

Wertminderung entstehen.

(LG Kiel, Beschluss vom 15.2.2010,Az: 1 S107/09)

Der Beschluss der Berufungskammer des Landgerichts Kiel zeigt hier deutlich: bei der

Wertminderung ist eine Einzelbeurteilung erforderlich!

Der Sachverstand des Gutachters ist der Maßstab, irgendwelche Eckwerte oder Tabellen

sind es dagegen nicht!

Quelle: Verband der unabhängigen Kfz-Sachverständigen e.V. (VKS)

 

Keine Pflicht des Unfallgeschädigten zu Vorlage des Gutachtens vor dem Verkauf.

Bei Haftpflichtschäden hat der Geschädigte keine Wartepflicht beim Verkauf des

Fahrzeugs. Er muss nicht warten, bis die Versicherung das Gutachten geprüft oder

ihr Einverständnis dazu gegeben hat.

Der Geschädigte hat das Recht, das Fahzeug zu dem im Gutachten festgestellten

Restwert unverzüglich zu verkaufen.

 

Keine Pflicht des Unfallgeschädigten mit der Fahrzeugreparatur zu warten.

Bei Haftpflichschäden hat der Geschädigte das Recht, das Fahrzeug unverzüglich

zu reparieren. Hat der vom Geschädigten beauftragte Gutachter das Fahrzeug

besichtigt, kann die Reparatur erfolgen.

Weder der Geschädigte noch die Reparaturwerkstatt muss auf eine Reparaturfreigabe

der Versicherung warten.

Eine Fahrzeugbesichtigung durch die Versicherung oder durch einen von der

Versicherung beauftragten Gutachter darf der Geschädigte ablehnen.

Die Versicherung hat kein Besichtigungsrecht.